Mein Blick auf Online-Rollenspiele…

Die Welt, wie wir sie kannten: Questen in Cataclysm.

In vielerlei Hinsicht ist Cataclysm, auch wenn es bereits die dritte Erweiterung von World of Warcraft ist, Neuland für Blizzard. Erstmals bringt das Spiel nicht nur eine Anhebung des Maximallevels und damit neue hochstufige Inhalte, sondern auch eine Überarbeitung der klassischen Spielinhalte von Level 1-60, die ja nun bereits mehr als fünf Jahre Spielzeit (von Entwicklungszeit gar nicht zu sprechen) auf dem Rücken haben.

Hier von einem ambitionierten Projekt zu sprechen, wäre ein Understatement. Äußerungen auf Newsseiten und Blogs, die sich damit beschäftigen, wie umfassend die Änderungen im Spiel sind, versteht man wirklich erst, wenn man selber einen Blick auf die Spielinhalte geworfen hat. World of Warcraft: Cataclysm könnte genausogut World of Warcraft 2 heißen. Kaum ein Stein bleibt aufeinander, selbst in Zonen, in denen es keine fundamentalen “Umbauten” gegeben hat, wie beispielsweise Elwynn, sind die Änderungen an allen Ecken und Enden spürbar. Aus diesem Grunde wollte ich mal ein bisschen über das Questen in Cataclysm erzählen, denn ich bin mir sicher, dass es die Community noch zu vielen erhitzten Diskussionen bringen wird. Das liegt nicht nur daran, dass viele von den Quests, die wir nun schon jahrelang kennen, für immer verschwunden sein werden. Vieles an der grundsätzlichen Queststruktur hat sich geändert und nicht alles davon wird den Spielern gefallen.

  • Keine Questexplosionen mehr. Jeder kennt das noch z.B. aus Burning Crusade. Man kommt an einen neuen Questort und kann sich vor neuen Aufgaben kaum retten. Also übernimmt man alle Aufgaben in das Questbuch, oft ohne sie genauer zu lesen und arbeitet sie Stück für Stück ab. Diese Zeiten sind in Cataclysm endgültig vorbei, auch in den überarbeiteten alten Zonen. Der Trend, die Quests stärker “häppchenweise” aufzuteilen, der in Lich King begonnen wurde, wurde noch viel stärker “durchgezogen”. An einem Questknotenpunkt gibt es selten mehr als vier Quests gleichzeitig, welche auch in der Regel in der selben Region zu erledigen sind. Erst danach erhält man die nächsten Quests und arbeitet sich so systematisch durch die Zone.
  • Keine endlosen Laufereien mehr. Im klassischen WoW wurde man manchmal über zwei Kontinente geschickt, nur um irgendeinen Brief abzuliefern. Auch das gibt es in Cataclysm nicht mehr. Man muss oftmals nicht mal mehr zum Questgeber zurückreisen, um die Quest abzugeben, sondern die Abgabestelle befindet sich in der Nähe des Ortes, wo man seine Aufgabe zu erledigen hatte.
  • Noch mehr Story: Jede Zone hat eine stark ausgearbeitete Storylinie, die oftmals in recht spektakulären Abschlussquests endet. Dabei ist es aus meiner Sicht von Vorteil, dass das zentrale Thema der dritten Erweiterung eher die allgemeinen Folgen der Veränderung der Welt sind, als die “Person” Deathwing. Das ließ den Designern mehr Freiraum und Deathwing muss nicht ständig aus dem Hut gezaubert werden, um als Begründung für Questlinien herzuhalten. Dadurch gibt es sehr viel mehr eigene, kleine Geschichten zu erzählen, die die Welt sehr farbig erscheinen lassen.
  • Abwechslung, Abwechslung, Abwechslung. Klar, es gibt die “Töte XYZ” Quests oder “Beschaffe folgendes Item”. Aber: Sie werden oft sehr abwechslungsreich präsentiert, mit einer sehr cleveren Nutzung des erweiterten Phasings, bei dem sich ganze Landschaftszüge verändern. Außerdem gibt es etliche Beispiele dafür, wie man das Fahrzeugsystem aus Wrath of the Lich King auf unterhaltsame und unnervige Art und Weise nutzen kann.
  • Viel, viel mehr Linearität. Nun kommen wir an den Punkt, der in meinen Augen für heiße Diskussionen in der Community sorgen wird. Es ist eigentlich eher eine Folge, der bereits genannten Punkte. Die Änderungen führen dazu, dass das Vorankommen in einer Zone sich sehr viel linearer vollzieht, als in Vanilla WoW, sogar noch sehr viel linearer als in Wrath of the Lich King, auch wenn sich das dort bereits ankündigte. Im Prinzip spielt man eine Zone von vorne nach hinten durch. Es gibt kaum Seitenlinien. Sicher, man kann Quests überspringen, aber das dürfte eher die Ausnahme als die Regel sein. Dass man völlig zufällig über einen Questgeber stolpert, wie es im klassischen World of Warcraft noch der Fall war,  dürfte in Cataclysm nahezu ausgeschlossen sein. Diese Linearität dürfte mit Sicherheit nicht jedermanns Sache sein, denn sie schränkt die Offenheit der Welt durchaus ein. Zudem stellt sich natürlich die Frage nach dem Wiederspielwert, eine Frage, die gerade passionierte Twinker bewegen dürfte.
  • Wie hältst du es mit dem Phasing, sprich? Eine Frage, die dieser Artikel offen lassen muss, ist die Frage wie problematisch sich der massive Einsatz von Phasing in Cataclysm erweisen wird. Das liegt unter anderem daran, dass nicht der gesamte Freundeskreis in der Beta ist. Jeder aber, der schon einmal einem Freund bei Quests in Eiskrone nicht helfen konnte, weil er in einer anderen Phase steckte, dürfte sich eine Antwort hierauf erhoffen. Hoffentlich bekommen wir sie von Blizzard, bevor Cataclysm in den Regalen auftaucht.

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