Ich wollte an dieser Stelle mal die Gelegenheit beim Schopf ergreifen, und ein paar Tipps loswerden zum Thema Raidwechsel. Da ich selber im Leitungsteam eines Raidbündnisses zugange bin, habe ich insbesondere seit der Veröffentlichung von Wrath of the Lich King den Eindruck gewonnen, dass sich, wenn es um Raidbewerbungen und Raidwechsel geht, der eine oder andere Spieler offenbar einer Strategie der „Fettnäpfchenmaximierung“ bedient. Damit nicht unbedingt ihr diejenigen seid, die ellenlange Flamethreads in Bewerbungsforen irgendwelcher Raidgilden auslöst, habe ich einfach mal einen kleinen Knigge mit fünf einfachen Regeln zusammengestellt, die euch das Leben vielleicht ein bisschen einfacher machen.
Zunächst einmal: An dem Wunsch eine Raidgruppe zu wechseln, ist primär nichts Ehrenrühriges und es gibt sehr viele legitime Gründe, warum man dies tut. Sehr oft läuft es darauf hinaus, dass man unterschiedliche Ziele im Spiel verfolgt. Doch im Spiel wie auch überall anders gilt halt: Der Ton macht die Musik….
1.) Wenn du unzufrieden bist, rede mit deiner Raidleitung. Ich weiß, aufgrund der vermeintlichen Anonymität im Netz (Standardphrase N° 2468), ist bei vielen Spielern die Frustrations- und Konflikttoleranz nicht besonders ausgeprägt. Dennoch: Bevor ihr bei der erstbesten Gelegenheit das Handtuch werft, aus Grund XYZ, wendet euch doch mal an eure Cheffs. Ihr werdet oft verblüfft feststellen, dass die ein wesentlich offeneres Ohr für euch haben, als man so denkt. Allerdings solltet ihr auch hier die „Ton macht die Musik“-Nummer beachten. Es liegt in der Natur der Dinge, dass sich die Spieler eher mit Problemen und Kritik an die Raidleitung wenden. Wenn alles super ist, sagt man meist nix. Das bedeutet aber auch: Wenn ihr gleich pampig rüber kommt, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Gehör findet, rapide.
2.) Es gibt Situationen, da ist an eurem Entschluss ohnehin nicht viel zu drehen. Dann solltet ihr aber auch soviel Fairness zeigen und euch, bevor ihr euch bei einer anderen Gilde bewerbt, eure Raidleitung davon in Kenntnis setzen. Es ist immer der schlechteste Weg, wenn eure Gilde von eurer Bewerbung in einem fremden Bewerbungsforum erfährt. Und glaubt mir: Wenn ihr auch nur in einem halbwegs organisiertem Raid seid, erfährt die Gilde davon. Insbesondere dann, wenn man sich „hochbewerben“ will, hinterlässt das dann den unschönen Eindruck, dass ihr euch einfach mal so auf Probe bewerbt, und im Falle einer Ablehnung euch die Option offen halten wollt, in der alten Gilde zu bleiben. Der Schuss kann fies nach hinten losgehen. Merke: Wenn ihr nicht mit der Raidleitung sprecht, könnt ihr nicht erwarten, dass man mit euch sprechen wird.
3.) Wascht keine schmutzige Wäsche. Ich weiß nicht, warum, aber vielen Spielern scheint ein gewisser selbstzerstörerischer Hang innezuwohnen. Oft findet sich in Bewerbungsformularen von Raidgilden die Frage „Warum bewirbst du dich bei uns?“ Nicht eben selten fällt den Spielern nichts Besseres ein, als über ihre bisherigen Gilden oder Raids schmutzige Wäsche zu waschen. Da wird dann munter über interne Streitigkeiten, vermeintlich zu geringes Niveau, Lootproblematik usw. gesprochen. Tipp: Lasst die Finger davon! Nicht deshalb, weil das gerne mal den einen oder anderen Flamewar hervorruft. Sondern, weil ihr euch selber damit kein besonders gutes Zeugnis ausstellt. Die Frage zielt ja darauf hin, die Gilde davon zu überzeugen, dass man der Richtige für sie ist. Das heißt, die Raidleitung ist an Argumenten interessiert, die erklären, was euch gegenüber den anderen Spielern auszeichnet. Wenn ihr schmutzige Wäsche wascht, lautet eure Antwort im Prinzip: Ich bin so toll, weil die anderen nicht so toll sind. Kein besonders treffendes Argument, oder? Ach ja, wo wir dabei sind: Diese Frage wird auch gern mal im „echten“ Berufsleben gestellt. Da ist schmutzige Wäsche waschen mindestens genauso verpönt. Wer in einem Bewerbungsgespräch bei einem Jobwechsel im Anekdotenstil erzählt, wie scheiße doch sein bisheriger Arbeitgeber war, der kann eigentlich auch gleich seinen Mantel nehmen und gehen.
4.) Klappern gehört zum Handwerk, aber übertreibt es nicht. Wenn man Bewerbungsforen beobachtet, kommt man zu erstaunlichen Erkenntnissen: Offenbar besteht WoW nur aus perfekten Spielern, die ihre Klasse im Schlaf beherrschen, aber nur durch die Unfähigkeit der Anderen daran gehindert werden (Was ein dezenter Widerspruch in sich ist). Ihr sollt auch nicht mit euren Standardfehlern hausieren gehen, aber zu dick aufzutragen wird auch nicht unbedingt gern gesehen. Vor allem dann, wenn ihr mit der Wahrheit eher kreativ umgeht. Merke: Wann immer ihr auch nur eine halbe Sekunde darüber nachdenkt, ob ihr für den nächsten Satz nicht die Wahrheit ein bisschen zurechtbiegen müsst – lasst es bleiben.
5.) Zuguterletzt der offensichtlichste Tipp: Wer mehrere Bewerbungen in unterschiedlichen Foren per copy & paste veröffentlicht, der braucht nicht damit rechnen, ernstgenommen zu werden. Und das Internet hat ein verdammt gutes Gedächtnis. Copy & paste von vor ein paar Monaten ist immer noch copy & paste.

Schöner Leitfaden. Leider gibt es zuviele Leute in zuvielen MMos, die einen oder mehrere der oben genannten Verbrechen/Fehler begehen.
LG
Carschti
Stimmt. Schöner Leitfaden.
Nun….wenn jemand sich außerhalb von MMos so verhält wie es laut deines Leitfadens nicht geht – dann würde ich ihn auch nicht mögen.
Sprich: Ein Leitfaden nicht nur für MMos.
Sehr schöner Beitrag!
Was man z.T. in den Bewerbungsforen zu lesen bekommt ist Unterhaltung pur.
Als Lesetipp empfehle ich das Affenjungs Inc. Bewerbungsforum.
Dort unterscheidet sich das Niveau zwischen Bewerben und „Bearbeitern der Bewerbung“ allerdings kaum.
Denn auch Bewerbungen bearbeiten will gelernt sein…
Generell super Blog, schade, dass du so DERMASSEN selten schreibst
Is im Moment echt übel ja, aber die Zeit zerinnt mir momentan zwischen den Fingern…. Ich hoffe einfach mal, dass es binnen der nächsten 14 Tage besser wird.