Regelmäßige Besucher des amerikanischen „UI & Macro“-Forums dürften wissen, dass im Gegensatz zu anderen Bereichen des offiziellen Forums dies eher der Ort der ruhigen Kontemplation war. Da wurde über Macros gefachsimpelt, Leute veröffentlichten Bildschirmfotos von ihren Benutzeroberflächen in World of Wacraft, Blizzard-Mitarbeiter, die man sonst in keinem anderen Unterform zu Gesicht bekam, machten lange Beiträge zu irgendwelchen Änderungen in der Skriptsprache, die Addon-Programmierer nutzen. Seit letztem Freitag ist es mit dem Frieden nun vorbei. Der Grund: Völlig ohne Vorwarnung und nicht einmal in den Foren, sondern versteckt in den Seiten zu den Nutzerbestimmungen hat Blizzard den Addon-Programmierern neue Entwicklungsbedingungen vor den Latz geballert. Diese bestehen aus acht Punkten und mehrere davon haben für einiges mehr als nur Rauschen im Blätterwald gesorgt. Zum einen dürfen Addons nun nicht mehr gebührenpflichtig sein. Bislang gab es nur eine sehr geringe Anzahl an „Bezahladdons“, dennoch erscheint manchen Programmierern dieser Schritt als ungerechtfertigter Eingriff. Denn schließlich sind die Addons selbstständige Programme, es gibt keine offizielle Lizensierung durch Blizzard. Zudem führt es zu einer ungerechten Behandlung. Warum darf ein gedruckter Levelguide weiterhin Geld kosten, aber die Ingame-Variante nicht? Der zweite Punkt ist aber noch vie krasser: Nach den neuen Regeln dürfen Addon-Programmierer auch nicht mehr im Spiel um Spenden bitten. Viele Addons haben in ihren Konfigurationsmenüs einen Knopf, mit dem man eine Internetadresse für Spenden anzeigen kann oder geben eine derartige Meldung zum Spielstart aus. Einige Programmierer von umfangreichen Addons wie Questhelper, für die das Addon mittlerweile ein Vollzeitjob geworden ist, sagen nun, dass sie ohne diese Spenden das Addon nicht weiterentwickeln können. Zwar dürfen Addons auch in Zukunft im Internet um Spenden bitten, aber eben nicht im Spiel.
Seit der Veröffentlichung dieser neuen Richtlinien ist im UI-Forum der Teufel los. Der Hauptthread zum Thema ist mittlerweile auf mehr als 1500 Beiträge angeschwollen und wurde über 13000 mal gelesen, es gibt zahllose Unterthreads. Addonprogrammierer wie Mundocani (Outfitter, Group Calendar) haben aus Protest ihre Addons zurückgezogen, andere drohen ebenfalls mit „Streik“. Gleichzeitig entstanden erschreckende Grabenkämpfe, in denen Addonprogramierer, die auf ihr Recht um Spenden bitten zu dürfen pochten, aufs Übelste von arroganten Nutzern als habgierig beschimpft wurden. Und von Blizzard selber kommt seit Tagen zu dem Thema lediglich bleiernes Schweigen, was die Situation aber noch verschlimmerte. Viele vermuten eine überstürtzte „Hopplahopp“-Reaktion auf das Addon Carbonite, von dem es seit ein paar Wochen 2 Versionen gibt. Eine Bezahlversion und eine Version, die im Spiel Anzeigen schaltet. Auch dies wurde verboten. Hier sind sich allerdings die Spieler und Addon-Programmierer weitestgehend einig: Dieser Schritt ist nachvollziehbar, weil Blizzard nicht kontrollieren kann, an wen Carbonite die virtuellen Werbeflächen verkauft. Nichts wäre skandalträchtiger, als ein Addon, das im Spiel beispielsweise plötzlich Anzeigen von Goldsellern schaltet.
Man darf die katastrophalen Folgen, die dieses Zerwürfnis zwischen Blizzard und der Addon-Szene haben könnte, nicht leichtfertig beiseite schieben. Ein Großteil der Verbesserungen am Interface von World of Warcraft der vergangenen Jahre gehen auf Addon-Vorbilder zurück. Ob es nun der Kampftext, Focus Frames, der kommende Equipment-Manager oder Instanzkarten sind: Für all diese Änderungen gab es Vorbilder in der Addon-Szene, die mehr oder minder direkt abgekupfert wurden. Die Addonszene hat zu einem nicht zu unterschätzenden Anteil zum Erfolg von WoW beigetragen. Es ist also ein mehr als fragwürdiger Schritt, eine ganze Szene durch Nichtkommunikation und harsche Vorschriften zu verärgern.

Naja, auch ein erfolgreiches Geschäft ist durch Blödheit problemlos kaputtzukriegen. Will Blizzard uns das vormachen?
Die Frage stellt sich in der Tat ernshaft. Für viele Spieler macht die flexible Modifizierung der Benutzeroberfläche einen nicht geringen Teil ihres Spielspaßes aus. Derart unsensibel mit Denjenigen umzugehen, die für diesen Teil des Spielspaßes sorgen, ist schon… dämlich.
„Naja, auch ein erfolgreiches Geschäft ist durch Blödheit problemlos kaputtzukriegen. Will Blizzard uns das vormachen?“
Tun sie das nicht schon seit geraumer Zeit?