Vor zwei Jahren, als dieser ganze Age of Conan und Warhammer Online-Hype seinen absoluten Höhepunkt erreicht hatte und man fast das Gefühl hatte, alle würden geradezu sehnsüchtig auf den „WoW-Killer“ warten, da hatte ich eine Unterhaltung mit einem guten Freund und Gildenkollegen hierzu. Damals habe ich meine feste Überzeugung formuliert, dass nur Blizzard selber zum WoW-Killer werden kann. Das Spiel hat mittlerweile eine derartige Eigendynamik entwickelt, dass es für Konkurrenten überhaupt nicht mehr möglich ist, WoW ernsthaft zu bedrohen. Aber der Hersteller selber, kann durchaus sein eigenes Produkt zerstören. Wie das geht, das hat ja so mancher Fan von Star Wars Galaxies schmerzhaft erfahren können.
Möglicherweise wird der 6. Juli der Tag sein, von dem man in einigen Jahren sagen wird, dass hier der Zeitpunkt begann, wo Blizzard sein eigenes Produkt irreperabel beschädigt hat. An diesem Tag gaben die diversen Community Manager nämlich bekannt, dass in naher Zukunft es nur noch möglich sein werde, in den Foren zu posten, wenn man bereit ist, seine RealID zu benutzen. Das bedeutet im Klartext: Neben jedem Posting wird euer voller Vor- und Nachname stehen.
In all den Jahren, in denen ich nun WoW spiele, habe ich noch nie eine derart ablehnende Reaktion in den Foren erlebt. Die Postingbeiträge explodierten geradezu und selbst in den USA, nicht unbedingt dem Mutterland des Datenschutzes, war man einhellig der Meinung, dass dies eindeutig zu weit ginge. Niemand solle gezwungen werden dürfen, seine Privatsphäre aufzugeben, nur weil er in einem Spieleforum schreiben wolle. Was nämlich mit eurem Namen so alles gemacht werden kann, hat die Seite Game Riot ziemlich eindrucksvoll in diesem Posting demonstriert. Forenmoderator Bashiok hatte nämlich den Fehler gemacht, um das System zu verteidigen, seinen Namen zu veröffentlichen. Er heißt Micah Whipple. Es dauerte nur wenige Stunden und Whipple war gezwungen, seine Facebookseite offline zu nehmen und seine Telefonnummer sperren zu lassen, weil all diese Informationen binnen weniger Minuten im Internet kursierten. Eigentlich müsste allein diese eine Demonstration genug sein, um Blizzard eindrucksvoll davon zu überzeugen, welch schlechte Idee dieses ganze Konzept ist. Es stellt einen eklatanten Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung dar.
Was tun als0?
Es ist zwar schon schön zu sehen, dass die Blizzardforen überquellen mit Negativmeldungen zu diesem Thema. Ebenso positiv ist, dass es in den europäischen Foren nun massiven „Verbrüderungscrossposting“ gibt, um diesem Protest mehr Ausdruck zu verleihen, allerdings dürfte all dies allein nicht ausreichen, um Blizzard zum Umdenken zu bewegen. Hier ein paar Anregungen:
- Trefft sie da, wo es weh tut. Wo tut es einer Firma weh? Richtig, beim Geldbeutel. Accountkündigungen (natürlich mit einer ausführlichen Grundschilderung) sind hier schon ein probates Mittel, in den USA haben auch schon mehrere User geposted, die Activision-Blizzard Aktien verkauft haben (Die Activision Blizzard Aktie hat am heutigen Tag bereits fast ein Prozent verloren).
- Nehmt Kontakt zu Medien außerhalb der Spielerszene auf. Es ist ja nett, wenn PCGamer und Co. über diesen Schritt berichten. Da ist aber eine Meldung z.B. bei Orf.at wesentlich wirkungsvoller. Außenwirkung ist alles. Das sieht man schon daran, dass im US-Forum gezielt Postings gelöscht wurden, die über diese Außenwirkung berichten.
- Kontaktiert übergeordnete Stelllen. In den USA haben sich beispielsweise massenhaft Spieler and die ESRB gewandt, das dortige Adäquat zur USK. Bei uns wären wohl Datenschutzbeauftragte und Verbraucherschutzzentralen der richtige Adressat.
Edit: Lustiges kleines Faktum am Rande: Seit kurzer Zeit, kann man, wenn man seinen Account kündigt, nicht mehr „Real ID“ als Grund angeben. Auch mal eine Variante des „Nicht hören“-Affen.